Arbental

Siedlung Arbental II
Gesamtsanierung
Familienheimgenossenschaft Zürich, FGZ
mit SPPA Architekten, Zürich
Farbgestaltung Innen und Aussen
Stand: Bauprojekt, Ausschreibung

Fotos: © Nadja Hutter Cerrato

Siedlungsraum und Originalfarbigkeit

Die in den 1950er-Jahren erbaute Siedlung Arbental besteht aus einem vielfältigen Geflecht von Binnenräumen, durchquert von einer inneren Strasse. Ihr Knick bildet einen Drehpunkt und teilt die Siedlung in zwei Felder. Drei Hochhäuser markieren besondere Orte und treten über das Baufeld hinaus mit der Stadt in Beziehung. Der bodennahe Siedlungsraum ist geprägt von üppiger Bepflanzung und dem angrenzenden Grünraum – der Gartenstadtgedanke ist allgegenwärtig. Die verschiedenen Bautypen – Punkthäuser, Laubenganghäuser, Langhaus und Hochhäuser – bilden trotz unterschiedlicher Architektursprache eine zusammenhängende, vielgestaltige Komposition. Ihr Gestaltungsvokabular aus Scheiben, Bändern, Füllungen und Öffnungen abstrahiert traditionelle Bauformen. Die ursprüngliche Farbgebung unterstützt diese abstrakt-moderne Architektur durch präzise Hell-Dunkel-Kontraste. Sie löst Volumen in Flächen auf, ordnet die Fassaden tektonisch und erzeugt differenzierte räumliche Wirkungen. Die verschiedenen Grauwerte des grobkörnigen Putzes bilden einen ruhigen Hintergrund für die üppige Vegetation. Holz, Naturstein und weitere unbunte Elemente wie Fenster, Türen und Rollläden ergänzen das Zusammenspiel. Die ursprüngliche, etwas spröde Farbigkeit entspricht dabei ganz dem modernen Charakter der 1950er-Jahre.

Spuren der Zeit

Verschmutzungen, Auskreidungen, Aufhellungen und individuelle Eingriffe haben die ursprüngliche Wirkung zunehmend verwischt. Eine vermutlich in den 1980er-Jahren entstandene „blaue Welle“ überformte zudem zahlreiche Details wie Türen und Geländer. Auch die nachträgliche Isolierung der Hochhäuser stellt einen wesentlichen Eingriff dar. So entstand über die Jahre ein zunehmend einheitliches Mittelgrau, das den Wunsch nach einer farbigen Neufassung nachvollziehbar macht.

Farb- und Materialkonzept

Da es sich um eine Gesamtsanierung und nicht um einen Umbau handelt, soll die originale Erscheinung der Siedlung als Grundlage der Neugestaltung dienen. Die ursprüngliche Architektur wird durch die Wiederherstellung ihrer Hell-Dunkel-Kontraste geschärft und ihre tektonische Ordnung wieder lesbar gemacht. Die verschiedenen Bautypen treten dadurch erneut klar hervor. Die neue Dacheindeckung in neutralem Dunkelgrau unterstützt dieses Prinzip. Spätere Anbauten wie Balkone und Lifte werden nach dem Prinzip der Camouflage zurückhaltend in die Gesamtkomposition integriert. In diese unbunte Grundstruktur wird ein feiner Farbendreiklang aus vergrautem Stahlblau, verhülltem Erdgrün und dezentem Gelbocker eingeführt. Er zeichnet die städtebauliche Grunddisposition mit ihren zwei Feldern und den Hochhäusern nach und verbindet die unterschiedlichen Bauetappen. Die Hochhäuser erhalten eine zurückhaltende Ockerfassung und behalten dadurch ihre typologische Eigenständigkeit. Die gedeckten Farbtöne knüpfen an die Farbwelt der 1950er-Jahre an. Ergänzend werden Pastelltöne wie Rosé und Gelb eingesetzt. Sie erscheinen vor allem an Untersichten von Laubengängen und Balkonen und werden erst in der Annäherung an die Architektur sichtbar. So entsteht eine subtile, zeitgemässe Heiterkeit und zugleich eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Prinzips, ein Grundthema variierend durch die Siedlung zu führen. Bei den «Laubenganghäusern» sind die Untersichten der Laubengänge, Treppenhäuser und Balkone in Rosé gehalten. Der Sonnenschutz intensiviert dieses Thema in warmem Rot und führt die Farbspur durch die Häuser. Bei den «Punkt- und Langhäusern» setzen gelbe Untersichten und gelbockerfarbener Sonnenschutz einen eigenen Akzent. Die Untersichten des innenliegenden Erschliessungssystems bleiben dagegen in aufgehellten Fassadenfarbtönen zurückhaltend. Beim «Hochhaus» werden diese Untersichten analog gestaltet; warmer roter Sonnenschutz kontrastiert mit der ockerfarbenen Fassade, während die Loggien mit gelben Untersichten ergänzt werden. Im unmittelbaren Umfeld der Bewohner erscheint Rot in einer warmen, kräftigen Version und markiert bei allen Häusern die Zugänge zu den Wohnungen. Der Mahagoni-Ton der Rollläden findet als Geländerfarbe im Inneren eine dezente Entsprechung. So wird das Prinzip von «Ähnlichkeit und identitätsstiftender Differenz» nicht nur im Aussenraum, sondern auch in den öffentlichen Innenräumen weitergeführt. Das Konzept stärkt die architektonische Ordnung und verleiht der Siedlung zugleich eine neue, subtile Sinnlichkeit. Die „Blauphase“ der 1980er-Jahre wird dabei nicht weitergeführt. Stattdessen werden Bunt- und Unbuntwerte sowie Hell-Dunkel-Kontraste in ein ausgewogenes Verhältnis zum Grünraum gesetzt. Die Siedlung erhält dadurch eine zurückhaltende, präzise und zugleich freundliche Farbigkeit, die ihre ursprünglichen Qualitäten bewahrt und gleichzeitig das Heute sichtbar macht.